

Grundsätzlich ist bei der Beurteilung von Infrarotaufnahmen zu beachten, dass Oberflächentemperaturen gemessen werden, die aus mehreren Faktoren resultieren. Insbesondere sind dies: Wärmeleitung von innen nach außen, Strahlungsaustausch der Außenoberfläche mit der Umgebung sowie Windbelastung.
Insbesondere der Strahlungsaustausch mit der Umgebung ist ein sehr wesentliches Element, das sehr häufig unterschätzt wird. Alleine die freie Abstrahlung an einen klaren Nachthimmel kann Oberflächentemperaturen um mehrere Grade absenken. Am Beispiel beschlagener oder vereister Autoscheiben, die morgens angetroffen werden, obwohl die Lufttemperaturen über dem Gefrierpunkt lagen, kamen die meisten Menschen schon in Kontakt mit diesem Phänomen.
Gebäudeüberstände, wie z.B. Dachüberstände, Balkone, überdachte bzw. ins Gebäude rückversetzte Eingangs- oder Terrassenbereiche, Markisen, aber auch Fensterleibungen behindern ganz grundsätzlich den uneingeschränkten Strahlungsaustausch und haben deshalb einen Einfluss auf die Oberflächentemperaturen. Da in der Regel die Umgebung kälter ist als die Fassadenbauteile, resultieren aus diesen Strahlungsabschirmungen höhere Oberflächentemperaturen gegenüber denen der übrigen Stellen. Dieser Sachverhalt wird leider oftmals falsch interpretiert oder nicht beachtet.
Auf dieser Aufnahme sehen wir ein Niedrigenergiehaus, das eine außerodentlich gute Wärmedämmung aufweist. Unterhalb des Dachüberstandes kann man auf dem Thermogramm eine helle Verfärbung erkennen. Das Bild wurde an einem kalten Wintertag bei nebligen, bedeckten Verhältnissen aufgenommen. Weil die Umgebung kälter als die Fassade ist, treten hier höhere Temperaturen auf. Eine typische Fehlinterpretation der Annahme, dass Verfärbungen im oberen Skalenbereich immer schlechte Werte bedeuten.
Niedrigenergiehaus
Bei Thermografiebildern entspricht jeder Farbton einer bestimmten Oberflächentemperatur. Es ist hierbei auf die Temperaturskala zu achten. Die weißen Bereiche stellen die wärmsten Zonen, die schwarzen Bereiche die kältesten Zonen dar. In diesen Fällen liegen die Temperaturen jeweils über bzw. unter der angegebenen Temperaturskala. Wichtig ist hierbei, dass bei Außenaufnahmen „rot“ nicht zwingend „schlecht“ bedeuten muss.
Fehlinterpretationen von Wärmebildern
Fehlerquellen bei der Interpretation von Fenstern
Fenster weisen generell nach oben hin zunehmende Temperaturen auf. Dies wird durch das Zusammenwirken mehrerer Faktoren verursacht: geschützte Lage bezüglich Abstrahlung durch den Sturzüberstand (wie oben erwähnt) und Temperaturverteilung an der Fensterinnenoberfläche, die generell im oberen Fensterbereich etwas höher ist. Auf den Infrarotbildern zeichnet sich diese Temperaturerhöhung deutlich ab. Je nach Dämmgrad des Fensterrahmens und des Glasabstandhalters liegt diese bei lediglich ca. 1-2 °C (gute Rahmendämmung, Glasabstandhalter aus Kunststoff oder Chromstahl) oder sogar bei 3-4 °C (weniger gute Rahmendämmung, Glasabstandhalter aus Aluminium).
Im Falle von Luftundichtheiten infolge undichter oder nur teilverriegelter Fenster resultieren Oberflächentemperaturen, die in diesem Bereich markant über den übrigen Temperaturen liegen. Bei Fenstern ist auch wichtig zu unterscheiden, ob die wärmeren Stellen vom Glasrandverbund herrühren oder ob es effektiv der Rahmen ist. Der Glasrandverbund stellt trotz den derzeit besten Glasabstandhaltern aus Kunststoff (z.B. dörig fibro), die gegenüber denen aus Aluminium deutlich weniger Wärme leiten, immer noch eine – wenn auch geringe – Wärmebrücke dar, die sich auf den Infrarotaufnahmen abzeichnet. Je größer vor Ort der Abstand zwischen Thermografie-Kamera und Objekt gewählt wurde, desto kleiner erscheinen die Fenster und desto weniger lassen sich aufgrund der Kameraauflösung die Einflüsse trennen.
Bei grossem Abstand erscheint der Fensterrahmen auf diesen Bildern dann so schmal, dass nur noch eine Mischtemperatur von Rahmen und Glasrandverbund dargestellt wird. Bei derartigen Beurteilungsschwierigkeiten schaffen Nahaufnahmen der Fenster Abhilfe. Die Glasoberfläche wirkt für Infrarot-Strahlung wie ein Spiegel. Die gemessenen Glastemperaturen können deshalb nicht als absolut angesehen werden, da sie immer aus einer Mischung von gespiegelter und eigener Abstrahlung bestehen. Teilweise kann auf den Bildern gut die gespiegelte Umgebung (z.B. die aufnehmende Person) erkannt werden. Ein ähnliches Verhalten weisen glatte Metall- und lasierte Platten-Flächen auf. Bei opaken Bauteilen mit rauer Oberfläche (z.B. verputzte Außenwände) wird Strahlung deutlich weniger gespiegelt, weshalb die gemessenen Temperaturen eher als Absolutwerte angesehen werden können.
Fehlinterpretationen und fehlerhafte Darstellungen bei starker Windeinwirkung
Windeinwirkung ist ebenfalls nicht zu unterschätzen. Der Wind wirkt ähnlich wie eine Scheibenbelüftung beim Auto und verfälscht dadurch die Oberflächentemperaturen. Thermografiebilder in einem Bericht, der nicht Auskunft gibt über die klimatischen Randbedingungen und den Zeitpunkt der Infrarotaufnahmen, sind nur unzureichend interpretierbar.
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